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Arthur Schopenhauer :  Tugend und Egoismus

Tugend  mit Egoismus - diese beiden werden sich nie umarmen.
                                                                Arthur Schopenhauer (W II 564)

Alle Tugend, so betonte Arthur Schopenhauer, die eines Lohnes wegen geübt werde, beruhe auf einem klugen weitsehenden Egoismus.* Gleiches gilt auch für ein Handeln, das  zwar als Tugend erscheint, in Wahrheit aber nur darin begründet ist, irgendwelche Nachteile zu vermeiden. Das ist zum Beispiel besonders bei Religionen  der Fall, die Moral predigen und hierbei göttliche Belohnung oder Strafe im Jenseits  versprechen bzw. androhen.** Das Ergebnis ist dann nicht Tugend, sondern bestenfalls Wohlverhalten im Sinne religiöser und gesellschaftlicher Normen.

Auch wenn es nicht gern eingestanden wird, hinter der vermeintlichen Tugend verbirgt sich oft Egoismus. Dazu Schopenhauer: “Kurzum, man setze zum letzten Beweggrund einer Handlung, was man wolle; immer wird sich ergeben, daß, auf irgend einem Umwege, zuletzt das eigene Wohl und Wehe des Handelnden die eigentliche Triebfeder, mithin die Handlung egoistisch , folglich ohne moralischen Werth ist.”(E 207) 

Wahre Ethik ist, wie Schopenhauer in seiner Preisschrift über die Grundlage der Moral eingehend darlegte, auf  > Mitleid gegründet: “Dieses Mitleid selbst aber ist eine unleugbare Thatsache des menschlichen Bewußtseyns, ist diesem wesentlich eigen, beruht nicht auf Voraussetzungen, Begriffen, Religionen, Dogmen, Mythen, Erziehung und Bildung; sondern ist ursprünglich und unmittelbar, liegt in der menschlichen Natur selbst  ...”(E 213)

Gerade weil Tugend eine Ethik ohne Dogmen ist, ist sie nicht lehrbar - Tugend kommt eben aus dem Herzen und nicht bloß aus dem Kopf !
                                                                                                                                                    hb
                                                                                                            > Ethik     > Vernunft

Zitathinweise ( aus Wagners > Schopenhauer - Register, Stichwort Tugend )

  • Tugend lässt sich nicht lehren: sie ist angeboren.
    > W I 320, 624 f.; E 53 f., 249 ff., 257.
    Um tugendhaft zu sein, braucht man keine Ethik gelernt zu haben.
    > W I 53, 434; E 245 f. 
    Auf die Tugend sind die abstrakten Dogmen ohne Einfluss,
    > W I 69, 435.
    Alle Professoren der Ethik vermögen nicht einen unedlen Charakter zu einem tugendhaften umzuschaffen.
    > W I 625.
    Wenn Tugend mittelst der Moral verbessert werden könnte, müsste die ältere Hälfte der Menschheit besser als die jüngere sein.
    > E 251 f.
    Die Tugend geht nicht von abstrakter, sondern von der unmittelbaren und intuitiven Erkenntnis aus.
    > W I 69, 418, 434, 437, 452, 482, 621; W II 83, 690; P II 245.
    Die aus Reflexion hervorgegangene und willkürlich angenommene Tugend würde auf eine Art Verstellung hinauslaufen.
    > E 54, 251; P II 637.
     
  • Schopenhauers Philosophie gibt kein Universalrezept zur Hervorbringung aller Tugenden, sondern deutet bloß das Handeln des Menschen.
    > W I 320, 336, 442; E 202.
     
  • Beim tugendhaften Wandel ist die Anwendung von Vernunft nötig, nur ist sie nicht die Quelle desselben.
    > W I 69. 102 f., 615; E 150.
    Man kann sehr tugendhaft sein, ohne dass man in der Lage ist, die ethische Bedeutung der Handlungen philosophisch zu ergründen.
    > W I 283, 436, 439.
     
  • Unterschied zwischen Tugend und Klugheit.
    > W II 260.

    Die aus tugendhafter Gesinnung entspringende ruhige Heiterkeit des Gemüts.
    > W I 441 f., 461; W II 262; P I 337.
     
  • Das wahre Wesen der Tugend ist nur demjenigen verständlich, der das
    > principium individuationis durchschaut.
    > W I 418, 423; W II 695, 700.
    Die Tugend beruht auf der Erkenntnis des > Tat twam asi .
    > W I 442; E 271.
    Alle echte Tugend geht aus der unmittelbaren und intuitiven Erkenntnis der metaphysischen Identität aller Wesen hervor.
    > W II 690, 700; E 271.
  • Die moralischen Tugenden sind ein Anzeichen, dass die Verneinung des > Willens einzutreten beginnt: der Wille schlägt gleichsam bereits mit den Flügeln, um davon zu fliegen.
    > W II 695.
     
  • Die wahre Tugend findet ihren eigentlichen angemessenen Ausdruck nicht in Worten, sondern ganz allein in den Taten, im Lebenslauf des Menschen.
    > W I 437

Anmerkungen

*     S. hierzu  W I 482, 621 f., P I 131 f.

**   In diesem Zusammenhang ist zu fragen, wie es sich beim Buddhismus verhält, denn dieser ist nicht theistisch,
       gleichwohl stellt er aber bei gutem oder bösem Verhalten, sofern es nicht versehentlich, sondern bewusst
       gewollt ist, gemäß dem Karma-Gesetz eine bessere oder schlechtere Wiedergeburt in Aussicht. Eine
       Antwort hierauf sind vielleicht die Worte aus der Buddhistischen Andacht  (des Buddhistischen Arbeits-
       kreises
, aus dem der > Arbeitskreis Schopenhauer und Buddhismus entstand): 
                                              Erhaben ist eine Tugend, wenn sie,
                                              Gestützt auf die Lauterkeit des Herzens,
                                              Zur Selbstverständlichkeit geworden ist.

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