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Wenn die Welt letztlich lediglich Ausdruck eines einheitlichen metaphysischen Willens, also letztlich eine Einheit ist, warum sehen wir sie normalerweise nur als Vielheit? Unsere im “principium individuationis” befangene Erkenntnisweise vermag nur die Er- scheinungen zu erkennen, nicht aber das > Ding an sich , also die Einheit allen Seins. Hierauf beruht auch jeder Egoismus, weil dieser Ausdruck des Gegensatzes zwischen dem Ich und dem Du ist. Das Ich erkennt sich also keineswegs als Einheit mit allen anderen Wesen. Wer nur sich als Individuum sieht, hat auch ein anderes Verhältnis zum Tod, denn das Individuum geht mit dem Tod unter; daher die Todesangst. Für den ist, so Schopenhauer, Geburt ein Entstehen aus dem Nichts und der Tod ein Zurückgehen ins Nichts. Wer hingegen das principium individutiones durchschaut und sich mehr und mehr als Einheit mit allem Leben empfindet, wird sich dementsprechend auch verhalten, was sich dann durch Gerech- tigkeit und Edelmut äußert. Der > Wille verhindert, dass das principium individuationis erkannt wird. Erst wenn er schweigt, wird dieses Prinzip durchschaut. Andererseits führt die Durchschauung dieses Prinzips schließlich zur Verneinung des Willens. Somit geht es hier um ein Grundpro- blem der Schopenhauerschen Philosophie, nämlich die Frage, ob der Wille die Erkenntnis oder umgekehrt die Erkenntnis den Willen bestimmt. Die Antwort Schopenhauers ist ähnlich wie in der buddhistischen Erlösungslehre und den altindischen Upanishaden: Aus Gründen, die nicht mehr hinterfragt werden können, kommt es zu einem Durchbruch in der Erkenntnis und damit zur Erlösung aus den Fesseln des Willens oder - wie es in den indischen Lehren heißt - des “Karmas”. Für Arthur Schopenhauer war es “Gnade”. Es könnte aber auch, so Arthur Schopenhauer in dem Brief vom 23. August 1844 an seinen Freund August Becker, > Individuation und Individuationsprinzip in Schopenhauers Philosophie > Arthur Schopenhauer : Wer bin ich? ( Das geheimnisvolle Ich und das wahre Selbst ) |
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