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Upanishaden - Texte : Der Weg von der Magie zur Weisheit

Anders als zu Zeiten von Arthur Schopenhauer, dem die Texte der Upanishaden nur in einer ziemlich unvollkommenen Übersetzung ( > Oupnekhat ) zur Verfügung standen, gibt es heute zu den Upanishaden mehrere kompetente Übersetzungen der Sanskrit - Texte in die deutsche Sprache. Drei von ihnen, die der Arthur - Schopenhauer - Studienkreis vorzugsweise verwendet, enthalten in ihren Buchtiteln in Verbindung mit den Upanishaden das Wort Weisheit. (1) Jedoch bereits beim ersten Lesen dieser Handausgaben der Upanishaden fällt auf, dass deren Texte nicht nur philosophische Weisheit enthalten, sondern noch  viel mit > Magie zusammenhängen. Die Gründe dafür liegen in den Ursprüngen der  Upanishaden:

Die Upanishaden haben ihre Wurzeln in der Magie der vedischen Brahmanas (2) . Hieraus bildete sich im Laufe von vielen Jahrhunderten eine Philosophie heraus, die in der > Mystik des Advaita-Vedanta (3) ihren Höhepunkt erreichte. Diese Entwicklung von der  Opfermagie der alten Veden, also von der vorbuddhistischen Zeit,  zur Einheitsmystik des Shankara (788-820), dem wohl bedeutendsten Philosophen des Advaita-Vedanta, umfasst  einen Zeitraum von mehr als 1500 Jahren. Schon deshalb ist es verständlich, wenn die Upanishaden durchaus unterschiedliche, mitunter sogar einander widersprechende Inhalte haben.

Viele der Aussagen in den Upanishaden, die aus Sicht westlicher Logik widersprüchlich er- scheinen, erklären sich aus der geistigen Toleranz, die in der altindischen Gesellschaft bestand - einer Religions- und Geistesfreiheit, die sich sehr positiv  von der westlichen Religionsgeschichte abhob. Im Gegensatz zur Bibel wurden die Upanishaden nicht im Sinne von religiöser Gleichschaltung zensiert und korrigiert. So nahm, wie Johannes Hertel in der Einleitung zu seiner Übersetzung der Upanishaden betonte, die “wedische Orthodoxie ... die wichtigsten dieser Texte mit ihren unkorrigierten Lehren in ihre heiligen Bücher auf und sorgte dadurch für ihre Erhaltung bis auf den heutigen Tag”.(4)

Um den weiten Weg von der Magie zur Weisheit in den Upanishaden ablesen und mit der Philosophie von Arthur Schopenhauer vergleichen zu können, ist es wichtig, historische Zusammen- hänge zu beachten. Das stößt jedoch mangels hinreichend verlässlicher Quellen auf erhebliche Schwierigkeiten. (5) Daher kann die indologische Forschung besonders zu den älteren Upanishaden nur ziemlich unsichere und mit Vorsicht  zu beurteilende zeitliche Schätzungen bieten, die sich vor allem an die einigermaßen abgesicherte Lebenszeit des Buddha orientieren.

Der weithin als kompetent anerkannte Indologe Helmuth  von Glasenapp hat in seinem Vorwort zur Übersetzung der Upanishaden von Alfred Hillebrandt die wichtigsten Upanishaden zeitlich in folgende Gruppen eingeteilt, wobei er dem Altmeister der Veda-Forschung, Paul Deussen, folgte (6)

Älteste Upanishaden
       (im altertümlichen Sanskrit-Prosa , Bezugnahme auf Opfermagie):
       - Brihadaranyaka
       - Chandogya
       - Taittiriya
       - Aitareya
       - Kaushitaki
       - Kena

Mittlere Vers - Upanishaden 
      (rein metrisch abgefasst, philosophisch vervollkommnet,
       weitgehende Loslösung vom magischen Ritualwesen):
       - Kathaka
       - Isha
       - Mundaka
       - Shvetashvatara
       - Mahanarayana

Mittlere Prosa - Upanishaden
      (in einer dem klassischen Sanskrit nahe stehenden Sprache mit eingeschobenen Versen):
      - Prashna
      - Maitrayani
      - Mandukya

Jüngere Upanishaden
      (enthalten voll ausgebildete Lehrsysteme, sind aber dennoch nicht so angesehen wie die
        oben genannten vierzehn ältesten und mittleren Upanishaden):
      - Kaivalya
      - Brahma
      - Brahmabindu
      - Paramahansa

Die alten Upanishaden sind hierbei von besonderem Wert, denn - so von Glasenapp - sie sind für uns die einzigen Dokumente, in welchen sich der Übergang von der mythischen zur eigentlich philosophischen Weltdeutung abzeichnet.(7)

Die Verfasser der Upanishaden sind  zumeist unbekannt. Dennoch gibt es einige Persön- lichkeiten, die dort mit ihrer Philosophie hervorgehoben werden. Da ist vor allem Yajnavalkya zu nennen, in dessen Lehre, wie von Glasenapp schrieb, klar die Idee hervortrete, daß das Heil nicht in einer Verklärung irdischen Daseins, sondern nur in etwas von diesem völlig verschiedenen bestehen kann, in einem rein Geistigen, das allem Wandel und allem Leid dauernd entrückt ist (8). Wie nahe steht doch mit dieser Auffassung der altindische  Philosoph Yajnavalkya dem westlichen neuzeitlichen Philosophen Arthur Schopenhauer , obwohl mehr als zwei Jahrtausende beide voneinander trennen!
                                                                                                                                                  

Anmerkungen
(1)  Die Weisheit der Upanischaden , übers. und hrsg. von Hans-Georg Türstig, Frankfurt a. M.: Fischer, 1996.
       Upanischaden , Die alte Weisheit Indiens, aus dem Sanskrit übers. u. erl. von Johannes Hertel,
       München: Beck, 2005.
       Die Weisheit der Upanishaden, aus dem Sanskrit von Karl Friedrich Geldner,
       München: Atmosphären-Verlag,  2006.
       Weitere vom Arthur-Schopenhauer-Studienkreis oft verwendete Taschenbuchausgaben der Upanishaden sind
       z. B.:
       Upanishaden, Die Geheimlehre der Inder, übertr. und eingel. von Alfred Hillebrandt, Köln: Diederichs, 1983.
       Upanishaden, aus dem Sanskrit übertr. und erl. von Paul Thieme, Stuttgart: Reclam, 1979.
(2)  Brahmanas sind Anleitungen zum praktischen Gebrauch der in den vedischen Sammlungen enthaltenen Lieder
       und Opfersprüche.
(3)  Advaita-Vedanta, die wohl wichtigste Schule des  Vedanta, lehrt, dass Atman und > Brahman bzw. Seele und
      Gott, die gesamte Erscheinungswelt, identisch sind ( > Tat tvam asi ).
(4)  Hertel, a. a. O., S. 40.
(5)  Im Gegensatz zur abendländischen Kultur, das eine christlich-jüdische und somit lineare Geschichtsauffassung
       hat, war in der vorislamischen indischen Gesellschaft  ( wie im vorchristlichen Europa) ein zyklisches Ver-
       ständnis von Geschichte vorherrschend. Dieses beruhte auf der Vorstellung, dass Entstehen und Vergehen
       der Welt sich gleichsam wie in einem Kreis wiederholen. Dementsprechend hatte die Geschichtsschreibung im
       alten Indien kaum Bedeutung.
(6)   Upanishaden , Die Geheimlehre der Inder, a. a. O., S. 7 f.
(7)   Helmuth von Glasenapp. Die Philosophie der Inder, 3. Auflage, Stuttgart: Kröner 1974, S. 48.
(8)   Ebd.
                                                                                                                                                                                       
hb

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