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über den

Theismus und seine Widersprüche

Der Theismus beruht auf dem Glauben an einen persönlichen Gott, von dem oft behauptet wird, er sei gütig, allmächtig und allwissend.  Wegen der Unvereinbarkeit des Elends der Welt mit der angeblichen Güte Gottes und anderen Widersprüchen lehnte Arthur Schopenhauer den Theismus ab. Er sah im Theismus unlösbare Widersprüche, die einem “Rechnungsexempel” gleichen, das “nimmermehr aufgeht”. So schrieb er um 1851, also in seinem letzten Lebensjahrzehnt, in eines seiner Notizbücher:

 “Der Widerspruch zwischen der Güte Gottes und dem Elend der Welt, imgleichen zwischen der Freiheit des Willens und dem Vorherwissen Gottes ist das unerschöpfliche Thema einer beinahe Jahrhundertjährigen Kontroverse zwischen den Cartesianern, Malebranche, Leibnitz, Bayle, Clarke, Arnauld u. A. m. [...,] wobei das einzige den Streitern fest stehende Datum das Daseyn Gottes nebst Eigenschaften ist, und sie Alle unaufhörlich sich im Kreise herumdrehn, indem sie versuchen, jene Dinge in Einklang zu bringen, d. h. ein Rechnungsexempel zu lösen, das nimmermehr aufgeht, sondern dessen Rest bald hier bald dort wiederhervorkommt, nachdem er anderswo versteckt worden.

Daß aber in jener Grundvoraussetzung (des Theismus) das Falsche [...] bei der Sache zu suchen (sei), gerade nur Dies fällt Keinem von ihnen ein, obwohl es eben die handgreiflich sich aufdrängende Wahrheit ist.” *

Auseinandersetzungen mit Theisten, die diese “handgreiflich sich aufdrängende Wahrheit” und somit diesen Widerspruch in ihrem theistischen Glauben wegzureden versuchen, sind deshalb sinnlos, also nur Zeitverschwendung. Es gilt, was Arthur Schopenhauer in seinen Aphorismen zur Lebensweisheit geraten hatte:

“Man bestreite keines Menschen Meinung; sondern bedenke, daß wenn man alle Absurditäten, die er glaubt, ihm ausreden wollte, man Methusalems Alter erreichen könnte, ohne damit fertig zu werden.” **


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Anmerkungen
* Arthur Schopenhauer , Spicilegia. Philosophische Notizen aus dem Nachlass [Seite 441], hrsg. von Ernst Ziegler, München 2015, S. 559.
** Arthur Schopenhauer , Zürcher Ausgabe, Werke in zehn Bänden, Band VIII: Aphorismen zur Lebensweisheit, Zürich 1977, S. 505.

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