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Arthur Schopenhauer und seine Zitate

Arthur Schopenhauer mit seinen Weisheiten für fast alle Lebenslagen wird seit mehr als 150 Jahren gern und oft zitiert. Doch, so ist zu fragen, hatte Schopenhauer selbst auch eine Vorliebe für Zitate? Hierzu ist in seinem handschriftlichen Nachlass Cogita II folgende Notiz überliefert:

Arthur Schopenhauer über Zitate

 

Durch viele Citate vermehrt man seinen Anspruch auf Gelehrsamkeit, vermindert aber den auf Originalität. +   Man soll sie also   nur gebrauchen, wo man fremder Autorität
wirkl. bedarf.
                 + u. was ist Gelehrsamkeit gegen
                    Originalität!
Arthur Schopenhauer,  > HNH 4 ,I, S.131.

“Wenn wir”, so ergänzte Schopenhauer seine obige Bemerkung, “unsre Meinung durch einen ähnlichen Ausspruch eines früheren großen Schriftstellers belegen”, könne das durchaus  sinnvoll sein: “Finden wir ..., daß große frühere Autoren mit uns übereinstimmen; so ist dies sehr dienlich, uns in der Zuversicht, daß, was wir sagen, richtig ist, zu bestärken und zu ermuthigen. Aber es anzuführen, ist nicht dienlich: besondre Fälle ausgenommen ... Denn haben wir Recht, so werden wir es auch ohne Anführen früherer ähnlicher Aussprüche behal- ten. Denn wenn wir die Wahrheit auf unsrer Seite haben, wie wenig hat es dann noch auf sich, daß wir auch noch diesen oder jenen Autor, sei er noch so groß, für uns haben ...”

Selbst wenn man nur oberflächlich Schopenhauers Werke durchsieht, findet man ent- gegen  obiger Äußerung Schopenhauers eine Fülle fremder Zitate. Es scheint, als hätte er sich selbst kaum an seinen eigenen Rat  gehalten. Dennoch ist Schopenhauers Originalität trotz seiner vielen Fremdzitate keinesfalls in Frage zu stellen. Im Gegenteil, diese Zitate, darunter viele in Fremdsprachen, sind eine durchaus wichtige Ergänzung zum besseren Verständnis seiner Philosophie.      

Schopenhauers Philosophie ist einem größeren Leserkreis zunächst weniger durch sein gesamtes Werk als vielmehr durch ausgewählte Zitate nahe gebracht worden. Von entscheidender Bedeutung für die Bekanntheit Schopenhauers außerhalb der Universitäts- philosophie ist die Tatsache,   dass er - wie kaum ein anderer weltbekannter Denker der Neuzeit - ein Lebensphilosoph war. Nicht theoretische Begriffe, sondern das Leben selbst, so wie es sich der unmittelbaren Anschauung darbietet, der Alltag der Menschen mit ihren Sorgen und Problemen, wozu auch Sterben und Tod gehören, waren der Ausgangspunkt seiner Lebensphilosophie. Viele der dort enthaltenen Lebensweisheiten sind mit  Schopenhauers sehr tiefer, bis in die Mystik hineinreichenden Philosophie verbunden.

Der Arthur-Schopenhauer-Studienkreis hat hierzu eine nach und nach zu ergänzende Sammlung von Zitaten zusammengestellt. Diese Schopenhauer-Zitate setzen, von Ausnahmen abgesehen, nicht unbedingt nähere Kenntnisse von Schopenhauers Philosophie voraus, denn die weitaus meisten der ausgewählten Zitate sprechen für sich und dürften dadurch  dem Leser direkt verständlich sein. Hinzu kommt noch die meisterhafte, für den Bereich der Philosophie wohl unübertroffene Sprachkunst Schopenhauers. Die hier vorgestellte Auswahl von Zitaten kann dazu nur “Kostproben” bieten. Die jeweils angegebenen Zitatquellen ermöglichen es dem Leser, sich  selbst ein umfassendes Bild zu machen.

Arthur Schopenhauer hatte seine Weisheit oft in mehreren und langen Sätzen formuliert, die von einem der kompetentesten Schopenhauer-Kenner, Gustav Friedrich Wagner, kurz und treffend im Schopenhauer-Register zusammengefasst wurden.* In manchen dieser Fälle er- schien es deshalb sinnvoll, zu dem betreffenden Stichwort nicht Schopenhauer unmittelbar, sondern aus Wagners Zusammenfassung zu zitieren.

Im übrigen werden aus oben genannten Gründen in dieser Zitatensammlung mitunter auch Zitate aufgenommen, die im Original zwar nicht von Schopenhauer selbst stammen (Fremdzitate), jedoch von ihm verwendet wurden, um seine Philosophie, insbesondere seine Lebensweisheiten, zu erläutern und noch anschaulicher darzustellen. Aus den jeweiligen Quellenangaben erschließt sich dem interessierten Leser der Zusammenhang zum Gesamtwerk Schopenhauers. Das könnte, so hofft der Arthur-Schopenhauer-Studienkreis, auch Anregung sein, mehr als nur kurze Zitate von Schopenhauer zu lesen.

Anmerkung
Enzyklopädisches Register von Schopenhauer´s Werken von Gustav Friedrich Wagner, 2. Auflage,
Karlsruhe 1909, als Schopenhauer-Register (SR) neu hrsg. v. Arthur Hübscher, Stuttgart-Bad Cannstatt 1960.
                                                                                                                                        
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