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Upanishaden : Symbol

Einheit und Vielheit
in den Upanishaden
  und der Philosophie von
 Arthur Schopenhauer

Arthur Schopenhauer

Steht hinter der ungeheuren Vielfalt unserer Welt letztlich eine Einheit oder ist diese Welt sogar im Grunde eine Einheit und ihre vermeintliche Vielheit nur eine Täuschung? Seit jeher ist diese Frage in der  Philosophie von zentraler Bedeutung, wobei dazu sehr unterschiedliche Antworten gegeben wurden. Das gilt auch für die großen, im alten Indien entstandenen Philosophien und Religionen, besonders aber für die altindischen Upanishaden .

Die älteste Form von Religion ist, und zwar weltweit, der Schamanismus. In ihm spielt der Animismus eine wesentliche Rolle und damit der Glaube, dass die ganze Natur beseelt ist. Demnach  gibt es eine Vielzahl von Seelen, die mehr oder weniger mit der Materie verbunden sind. Es ist verständlich, dass bei solchen und ähnlichen Vorstellungen die Welt als reale Vielheit angesehen wird.

Im alten Indien waren der Jainismus und der ihm verwandte Buddhismus, zumindest teilweise und in seinen ältesten Richtungen, pluralistische Lehren. Die Upanishaden, die zur philosophischen Grundlage des Hinduismus wurden, enthalten unterschiedliche Auffassungen zur eingangs gestellten Frage, also zum Verhältnis von Einheit und Vielheit dieser Welt.

Helmuth von Glasenapp bemerkt dazu: “Deussen (der Übersetzer und Kommentator der Upanishaden) ... glaubte den transzendentalen Idealismus von Kant und Schopenhauer in der Lehre des großen Hindu-Theologen Shankara (800 n. Chr.) wie in den Upanishaden , auf die sich dieser ständig beruft, wenigstens in ihren Ansätzen vorzufinden. Hermann Oldenberg, Karl F. Geldner, Johannes Hertel (alle ebenfalls Übersetzer und Kommentatoren der Upanishaden ) haben ihn in dieser Deutung nicht beigepflichtet. In der Tat läßt sich für die Zeit, in welcher die älteren Upanishaden entstanden, nicht annehmen, daß sie schon die vielheitliche Welt als eine durch den Zaubertrug der Maya hervorgebrachte Illusion betrachtet haben, ... vielmehr zeigen die meisten Texte, daß ursprünglich an eine reale Entfaltung des Brahma zur Welt geglaubt wurde.”(1)

  Ähnlich äußert sich der Indologe Paul Thieme : “So läßt sich z. B. zeigen, daß die für die Philosophie Shankaras so wichtige Lehre, daß die sogenannte Wirklichkeit der Welt, die uns umgibt, in Wahrheit nur Schein, eine Illusion (maya) sei, in den älteren Upanishaden keine Bestätigung findet. Hier stehen sich vielmehr ursprüngliche Einheit, zu der, gegebenenfalls, nach dem Tode eine Rückkehr stattfindet (2) und spätere Vielheit als Realitäten gegenüber. Dem Wahrheitssucher bleibt es überlassen, für seine Person - also für sein Selbst  - die ursprüngliche Einheit mit dem großen Selbst , das mit dem Brahman gleichgesetzt wird, wiederherzustellen und dadurch die Erlösung zu finden: Das brahman seiend, geht er in das brahman ein ”.(3)

Hieraus wird deutlich, dass Schopenhauers streng monistische Auffassung, dass die Vielheit dieser Welt lediglich Manifestationen eines einzigen (metaphysi- schen) Willens seien, mit den älteren Teilen der Upanishaden nicht in der vollen Übereinstimmung stehen, wie Schopenhauer selbst und sein Interpret Deussen (und mit ihm > Gjellerup ) glaubten . Erst später kam es im Vedanta , wie übrigens auch im Buddhismus ( Mahayana ), zur Herausbildung monistischer Lehren. Bei einigen dieser späteren Lehren ist allerdings eine erstaunliche, ja geradezu wunderbare  Übereinstimmung mit der Philosophie von Arthur Schopenhauer festzustellen.  

Anmerkungen:

(1) Upanishaden, übertragen und eingeleitet von Alfred Hillebrandt.
      Mit einem Vorwort von Helmuth von Glasenapp, Köln :  Diederichs, 1983, S. 9.
(2) Upanischaden, aus dem Sanskrit übertragen und erläutert von Paul Thieme,
     Stuttgart : Reclam, 1979, S. 87.
(3) Ebd.

                   > Schopenhauer : Oupnekhat ( Upanishaden )

                        > Schopenhauer : All-eins-Lehre (“ Hen kai pan “)

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