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Upanishaden - die Geheimlehre des Veda -
und Arthur Schopenhauer

Es war für die westliche Forschung zu den altindischen Veden ( Sanskrit: Veda, d. h. heiliges Wissen, eine Sammlung von ältesten Texten der indischen Literatur) ein  bedeutsames Ereignis, als Paul Deussen , Professor der Philosophie, seine Übersetzung der Upanishaden aus dem Sanskrit  1897 unter dem Titel Sechzig Upanishad's des Veda veröffentlichte. Inzwischen  ist seine Über- setzung zu einem Standardwerk geworden. Von diesem geradezu monumentalen Werk erschienen danach auch Auszüge, so beispielsweise 1921 in 6. Auflage Die Geheimlehre des Veda .

Upanishaden  -  Geheimlehre des Veda

Warum Geheimlehre ? Hierzu ist aufschlussreich, dass Deussen  den von ihm ausgewählten Texten zwei Zitate aus den Upanishaden voranstellte, nämlich:

Da sprach Yanjavalkya: Fass´ mich, Arthabhaga, mein Teurer, an die Hand;
darüber müssen wir beiden unter uns allein uns verständigen, nicht hier in der Versammlung.
                                                                                                       
Brihadaranyaka - Upanishad 3,2,13

Darum soll diese Lehre nur dem ältesten Sohne sein Vater als das Brahman kundmachen, oder auch einem vertrauten Schüler, aber keinem andern, wer es auch sei. Und böte ihm einer dafür auch die wasserumgürtete Erde mit allem ihrem Reichtum: “Dieses ist mehr wert”, so soll er denken, - ”dieses ist mehr”, so soll er denken.
                                                                                                          
Chandogya - Upanishad 3,11,5-6

Die Gründe für die Geheimhaltung sind wohl  vielfältig: Die Upanishaden  haben ihre Wurzel in den Brahmanas , der altvedischen > Magie , deren Kenntnis zum Herrschaftswissen einer mächtigen Priesterkaste gehörte. Sie waren daher exklusiv und durften somit den unterkastigen Schichten nicht zugänglich gemacht werden. Wahrscheinlich ebenso wichtig ist dabei die uralte Vor stellung, dass Magie wegen ihrer potentiellen Macht auch Gefahr bedeutete. So wies Paul Thieme im Nachwort zu seiner Übersetzung der Upanishaden darauf hin, dass die Aranyakas (Nachträge zu den Brahmanas) als  Wildnistexte bezeichnet wurden, weil sie um ihrer magischen Gefährlichkeit willen nur fern von menschlichen Siedlungen studiert und rezitiert werden dürfen.(1)

Heute, wo die Upanishaden in kompetenten deutschen Übersetzungen zur Verfügung stehen, treffen die obigen Gründe für ihre Geheimhaltung selbstverständlich nicht mehr zu. Dennoch haben die Upanishaden ihren esoterischen Charakter beibehalten. Ihr magischer Hintergrund und auch -  was noch weit wichtiger ist -  ihre philosophischen Aussagen sind mitunter äußerst schwer zu deuten. Zu ihrem Verständnis gehört jedenfalls sehr viel Besinnung und Geduld, um sich in sie zu vertiefen. Um so erstaunlicher ist der geniale Tiefblick, mit dem Arthur Schopenhauer aus einer ziemlich unvollkommenen Übersetzung der Upanishaden ( > Oupnekhat ), den eigentlich esoterischen Kern, das > Tat Tvam Asi , erkannt hatte. Max Müller, Sprachforscher, Indologe und Begründer der wissenschaftlichen Religionsforschung, seit 1850 Professor in Oxford, schrieb bewundernd:

Ich muß jetzt bekennen ..., hätte Schopenhauer nichts gethan,, als aus der fürchter- lichen Übersetzung von Anquetil Duperron (Übersetzer des Oupnekhat) den Sinn der Upanishaden zu entziffern, dies allein hinreichen würde, um ihm, selbst unter den  Philologen, eine Ehrenstelle ... zu sichern. (2)

Arthur Schopenhauer wurde besonders durch seine sehr  lebensnahen, gut verständlichen
> Aphorismen zur Lebensweisheit populär. Jedoch der Kern seiner Philosophie, seine Erlösungs- mystik, die den Upanishaden nahe steht,  ist der Öffentlichkeit weit weniger bekannt und selbst vielen philosophisch vorgebildeten Lesern kaum verständlich. Im Grunde ist Schopenhauers Lehre von der Erlösung durch Überwindung des (metaphysischen) > Willens esoterisch. In diesem Sinne könnte man sie, obwohl Schopenhauers Werke frei zugänglich sind, auch fast als eine Geheimlehre ansehen.                                                                                                                                            

Upanishaden - Geheimlehre der Inder

Die Geheimlehre der Inder - so lautet der Untertitel der  links abgebildeten Ausgabe der von Alfred Hillebrandt übersetzten und erläuterten Upanishaden.(3) Auf dem  unteren Teil des Buchdeckels ist Arthur Schopenhauer zitiert:

    Die belohnendste und erhebendste Lektüre, die auf der Welt
    möglich ist: sie ist der Trost meines Lebens gewesen und wird
   der meines Sterbens sein.

Obiges Zitat zeigt eindrucksvoll, welche überragende Bedeutung die Upanishaden, diese Schrift altindischer > Mystik  , für Leben und Werk des - wie Hillebrandt Schopenhauer nannte - “großen deutschen Mystikers des neunzehnten Jahrhunderts”, hatte.(4)  

Anmerkungen
(1) Upanischaden , ausgewählte Stücke, aus dem Sanskrit übertr. u.erläutert von Paul Thieme,
      Stuttgart: Reclam, 1979, S. 89 f.
(2) Zit. n. Arthur Schopenhauer , Gespräche, neue, stark erw. Ausgabe, hrsg. v. Arthur Hübscher,
      Stuttgart-Bad Cannstatt 1971, S. 87.
(3) Upanishaden , Die Geheimlehre der Inder, übertr.u. eingeleitet von Alfred Hillebrandt,
      Köln: Diederichs, 1983, S. 12.
(4) Hillebrandt (a.a.O., S. 12) zit. hier Winternitz, Geschichte der indischen Literatur, Band I, Leipzig 1908, S. 227.
 
                                                                                                                                                                                           hb                                                                                                                                                                                  

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