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Tierschutz und Tierschutzvereine

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Tierschutzverein Frankfurt am Main

Arthur Schopenhauer war der erste weltberühmte Philosoph der Neuzeit, der in seine alle Lebensbereiche umfassenden Philosophie auch die Tiere voll einbezog und hierbei, und zwar besonders in seiner Mitleidsethik, sich für den Tierschutz einsetzte. Mehr noch: Der Tierschutz, so lässt sich wohl ohne Übertreibung feststellen, war Schopenhauer geradezu ein Herzensbedürfnis. Das zeigte sich zum Beispiel daran, dass er die Gründung der damals in Deutschland entstehenden  Tierschutzvereine nach Kräften unterstützte. So gehörte er zu den ersten Mitgliedern des 1841 gegründeten Frankfurter Tierschutzvereins.(1)

Schopenhauer hielt es für einen “Grundfehler des Christentums”, dass “es widernatürlicherweise den Menschen losgerissen hat von der Tierwelt, welcher er doch wesentlich angehört”.(2) Es sei eine “augenfällige simple Wahrheit: ´das Tier ist im Wesentlichen das Selbe wie der Mensch`”.(3) Allerdings ganz so augenfällig und simpel scheint diese Wahrheit nicht zu sein, denn sie wurde zu Schopenhauers Zeiten und wird auch heute noch nicht allgemein anerkannt, sonst hätte der Tierschutz, obwohl sich die Tierschutzvereine sehr darum bemühen, inzwischen weit mehr Anerkennung und dementsprechend auch Förderung erreicht als es in der heutigen Gesellschaft der Fall ist.

Viel Zeit ist seitdem vergangen, doch Schopenhauers Engagement für den Tierschutz und den Frankfurter Tierschutzverein ist unvergessen. Ein Beispiel hierfür ist ein Beitrag, der 2005 unter  dem Titel Schopenhauer und der Frankfurter Tierschutzverein online veröffentlicht wurde (4), und zwar mit der Zwischenüberschrift “Über die Grundlage der Moral”, also hindeutend auf  Schopenhauers berühmte gleichnamige Preisschrift. Unter Hinweis auf die in dieser Schrift von Schopenhauer ausführlich dargelegte und tief begründete  Mitleidsethik heißt es: “Dieser Leitgedanke des Mitleids mit allem Lebenden zieht sich durch die 160-jährige Geschichte des Vereins”, der heute den Namen Tierschutzverein Frankfurt am Main und Umgebung von 1841 e.V. trägt.

  Der Tierschutz wurde von den Tierschutzvereinen zu Schopenhauers Zeit oft (und zuweilen wohl auch heute noch) mit dem Bibelspruch begründet: “Der Gerechte erbarmt sich seines Viehes”.(5) Dazu Schopenhauer:

“Erbarmt” -  welch´ ein Ausdruck! Man erbarmt sich eines Sünders, eines Missetäters , nicht aber eines unschuldigen treuen Tieres, welches oft der Ernährer seines Herren ist und nichts davon hat als spärliches Futter. “Erbarmt!” Nicht Erbarmen, sondern Gerechtigkeit ist man dem Tiere schuldig, - und bleibt sie meistens schuldig, ...(5)

Auch in anderer Hinsicht war Schopenhauer, was die Argumentation der Tierschutzvereine und anderer Tierschützer  angeht, nicht ohne berechtigte Kritik:

Die Tierschutzgesellschaften, in ihren Ermahnungen, brauchen noch immer das schlechte Argument, dass Grausamkeit gegen Tiere zu Grausamkeit gegen Menschen führe; - als ob bloß der Mensch ein unmittelbarer Gegenstand der moralischen Pflicht wäre, das Tier bloß ein mittelbarer, an sich eine bloße Sache! Pfui! (6)

Die obigen Zitate zeigen, dass Arthur Schopenhauer auch gegenüber manchen Tierschutzvereinen seiner Zeit weit voraus war. Mit seiner Forderung, Tiere um ihrer selbst und nicht bloß der Menschen wegen zu schützen, und man ihnen nicht bloß Erbarmen, sondern vor allem Gerechtigkeit schuldig sei, kann Schopenhauer als geistiger Wegbereiter  für den heutigen Tierschutz, ja sogar für die Tierrechtsbewegung gelten. 

Zu Arthur Schopenhauers 150. Geburtstag fand an seinem Grab eine Gedenkfeier statt, an der, wie das Schopenhauer-Jahrbuch berichtete, auch der Frankfurter Tierschutzverein, “zu dessen ältesten Mitgliedern der Philosoph gehörte”, teilnahm.(7) Der Verein ehrte so die Verdienste eines Philosophen, dem der Tierschutz weit mehr verdankt, als vielen Tierschützern heute bekannt ist.

> Arthur Schopenhauer : Tiere

             > Arthur Schopenhauer - ein früher Tierversuchsgegner

                             > Schopenhauer : Hund und Mensch (Blogbeitrag)
 

Anmerkungen
(1) Vgl.  Frankfurter Rundschau vom 08.07.2016 > online (Stand: 26.12.2016).
(2) Arthur Schopenhauer , Zürcher Ausgabe, Werke in zehn Bänden, Band X, Zürich 1977,
     Parerga und Paralipomena II/2, S. 408.
(3) Ebd., S. 411.
(4) Veröffentlicht > online (Stand: 26.12.2016).
(5) Hierzu und dem folg. Zitat: Arthur Schopenhauer , a. a. O., S. 410.
(6) Ebd., S. 411 (Anm.).
(7) 26. Jahrbuch der Schopenhauer-Gesellschaft (1939), S. 427.

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