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Arthur Schopenhauer und die Musik

Arthur Schopenhauer

Die Musik redet verständlicher zu

uns als irgend eine Sprache.

Arthur Schopenhauer : Musik

       Ausschnitt aus: Arthur Schopenhauer , Handschiftlicher  Nachlaß, Manuskriptbücher,
    Cholerabuch (1832), S. 140. (Quelle: Universitätsbibliothek Frankfurt am Main > online).

Die Musik redet nicht von Dingen: sie redet von lauter Wohl und Wehe (die einzigen Realitäten für den Willen) und darum spricht sie so sehr zum Herzen: während sie mit dem Kopf unmittelbar nichts zu tun hat.(1)

Keine Kunst wirkt auf den Menschen so unmittelbar, so tief ein, als die Musik, weil keine uns das wahre Wesen der Welt so tief und unmittelbar erkennen lässt, als diese. Das Anhören einer großen, vollstimmigen und schönen Musik ist gleichsam ein Bad des Geistes; es spült alles Unreine, alles Kleinliche, alles Schlechte weg, stimmt Jeden hinauf auf die höchste geistige Stufe, die seine Natur zulässt,...(2)

Heinrich Hasse , der in seiner Darstellung von Leben und Werk Schopenhauers auf vorstehendes Zitat Bezug nahm, schrieb dazu ergänzend:

Um zur Einsicht in die geschilderte tiefe Bedeutung der Musik vorzudringen und den Reflex dieser Einsicht in sich zu erleben, bedarf es der musikalischen Bildung, deren Aneignung durch teilnahmsvolles Hören guter Musik Schopenhauer am Schlusse des dritten Teiles der “Vorlesung über die gesamte Philosophie” in Worten von schlichter Innigkeit seinen Hörern zur Pflicht macht.(3)

Arthur Schopenhauers Flöte

Arthur Schopenhauer besaß drei Flöten, die er täglich zu spielen pflegte. Obiges Bild zeigt seine kleinste Flöte. Der Schopenhauer-Bildband, aus dem diese Abbildung stammt, erläutert hierzu: 

Im Schopenhauer-Archiv liegen auch wohlverwahrt die drei Flöten Schopenhauers, dem von frühauf die Musik eine tröstende Kraft bedeutete. Bis kurz vor seinem Tode, als ihm seiner Taubheit wegen Schauspiel und Komödie versagt waren, war er regelmäßiger Besucher von Konzerten und Opern - seine Lieblingskomponisten waren Rossini, dessen für Flöte arrangierte Werke er besaß, Mozart und Beethoven.(4)

Für das Unerklärliche, was Musik letztlich bedeuten kann, fand Schopenhauer die wunderbaren Worte:

Das unaussprechlich Innige aller Musik, vermöge dessen sie als ein so ganz vertrautes und doch ewig fernes Paradies an uns vorüberzieht, so ganz verständlich und doch so unerklärlich ist, beruht darauf, dass sie alle Regungen unseres innersten Wesens wiedergibt, aber ganz ohne die Wirklichkeit und fern von ihrer Qual.(5)

Anmerkungen
(1)  Arthur Schopenhauer , Der handschriftliche Nachlaß in fünf Bänden.
       Hrsg. von Arthur Hübscher. Band 3. München 1985.
       Die Manuskriptbücher, 1. Teil, Foliant II (1826), S. 279 (Nr. 128).
(2)  Aus Arthur Schopenhauer´s handschriftlichem Nachlaß.
       Hrsg. von Julius Frauenstädt, Leipzig 1864, S. 373.
(3)  Heinrich Hasse ,  Schopenhauer , München 1926, S. 292 f.
       Weiteres zu Heinrich Hasse und seinem von der Schopenhauer-Gesellschaft
       sehr empfohlenen Schopenhauer-Buch  > dort.
(4)  Arthur Schopenhauer ; Leben und Werk in Texten und Bildern.
       Hrsg. von Angelika Hübscher, Frankfurt am Main 1989, S. 266 f.     
(5)  Arthur Schopenhauer , Zürcher Ausgabe, Werke in zehn Bänden, Band I,
      Die Welt als Wille und Vorstellung I, Zürich 1977, S. 331.

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