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Vorwort

 zum Schopenhauer-Lexikon

Aus: Schopenhauer-Lexikon.
Ein philosophisches Wörterbuch,
nach Arthur Schopenhauers sämmtlichen Schriften und handschriftlichem Nachlaß
 bearbeitet von Julius Frauenstädt. Band 1, Leipzig 1871, S. V-VIII.

Bei den großen Denkern genügt es uns nicht, blos im Allgemeinen ihre Lehre zu kennen, sondern wir haben auch das Bedürfniß einer Uebersicht über die ganze Fülle von Gegenständen, die sich in den Bereich ihrer Betrachtung gezogen, und über das Wesentliche Dessen, was sie über jeden einzelnen Gegenstand gelehrt haben. Daher das Bedürfniß nach Wörterbüchern der großen Philosophen, welches uns über Beides, über den ganzen Umfang und den wesentlichen Inhalt ihrer Lehre leichte Uebersicht gewähren.

Solche Wörterbücher sind keineswegs von blos historischem, rückwärts gewandtem Interesse, sondern sie sind von Interesse auch für die zukünftige Weiterförderung der Wahrheitserkenntniß. Denn in den Schriften der großen Philosophen sind ja nicht blos vergängliche, ihrer Zeit angehörige Gedanken, sondern es sind in ihnen auch bleibende, für alle Zeiten gültige Wahrheiten und Wahrheitskeime niedergelegt, an die man anknüpfen muß, um die Erkenntniß  weiter zu fördern. 

Da nun Schopenhauer zu diesen großen Denkern gehört, ein Wörterbuch der erwähnten Art aber, durch welches man sich über den ganzen Umfang und den wesentlichen Inhalt seiner Lehre orientieren kann, bisher noch gefehlt hat, so habe ich mich zur Ausarbeitung eines solchen entschlossen und lege nun die Frucht meiner Arbeit hiermit dem Publicum vor.

Hätte es bisher nicht an einem solchen Lexikon gefehlt, so wären nicht so viele falsche Darstellungen und schiefe Beurtheilungen der Schopenhauer´schen Lehre erschienen. Mit gegenwärtigem Lexikon in der Hand wird man künftig Jeden, der über Schopenhauer berichtet und richtet, controliren können. [ ... ]

Dem beklagten Mangel an philosophischer Bildung nun entgegenzuwirken thut ein philosophisches Lexikon Noth, ein Lexikon, welches die Kunde zur Einsicht erhebt, ein Begriffs-Lexikon, welches die durch die Sach-Lexika dargestellte Erscheinungswelt richtig deuten lehrt. Von allen nachkant´schen Systemen scheint mir nun aber kein anderes geeigneter zu diesem Zweck, als das Schopenhauer´sche.

Die Schopenhauer´sche Philosophie ist, als aus der äußern und innern Erfahrung geschöpft, reich wie die Welt und mit den Ergebnissen der empirischen Wissenschaften im Wesentlichen übereinstimmend, während diejenigen nachkant´schen Systeme, welche die Welt a priori [von vornherein] construiren, arm sind an Begriffen und arg gegen die Empirie verstoßen.

Dazu kommt, daß Schopenhauer, wie kein Anderer, mit der Tiefe der Gedanken Klarheit des Ausdrucks verbindet; während Andere entweder tief sind, ohne klar, oder klar, ohne tief zu sein. Aus allen diesen Beziehungen schien mir ein aus den Schopenhauer´schen Schriften hergestelltes Lexikon am geeignetsten, philosophische Bildung und Einsicht zu verbreiten.

Obwohl die Darstellung in diesem Lexikon mit Schopenhauers eigenen Worten gegeben ist, so konnte sie doch nur eine summarische sein und mußte die nähere Ausführung den Werken Schopenhauers selbst überlassen, wo man sie an den von mir in Parenthese [Klammern gesetzten] bezeichneten Stellen finden wird. Auch wird man die schriftstellerische Größe Schopenhauers  nicht aus meiner einfach und schmucklos gehaltenen Darstellung, sondern nur aus seinen eigenen Werken kennen lernen können. [ ...]

Berlin, im August 1871.

Julius Frauenstädt .

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