|
Zitatquellen (Auszüge aus Wagners Schopenhauer - Register) ( Zum Ursprung der Philosophie, Begriff und Anschauung in der Philosophie )
- Die Philosophie hat ihren Ursprung in einer Verwunderung über die Welt und unser eigenes Dasein
> W II 176, 188 f., 226; W I 38 ( P I 110). Diese schon früh im Menschen auftretende Verwunderung wird später die Mutter der Metaphysik > W II 176. Dem Normalmenschen bleibt die philosophische Verwunderung ewig fremd > N 75: W II 176; P II 103. Diese Verwunderung könnte gar nicht entstehen, wenn die Welt, im Sinne von Spinoza, eine absolute Substanz, ein schlechthin notwendiges Wesen wäre > W II 188 f., 664.
- Die eigentliche philosophische Anlage besteht darin, dass man über das Gewöhnliche und Alltägliche sich zu verwundern fähig ist
> W II 176; W I 148; P II 3 f., 81 f., (115; P I 429). Die philosophische Verwunderung entspringt hauptsächlich aus dem Wissen um den Tod und aus der Betrachtung des Leidens und der Not des Lebens > W II 176 f., 190, 528 f. Unsere Verwunderung über die Welt geht leicht über in ein Brüten über jene Fatalität, welche ihr Dasein hervorrufen konnte > W II 189 f., 175 f. Aus der Rätselhaftigkeit des Daseins entsteht das Bedürfnis der Philosophie > W II 175f., 180, 189; P I 207.
- Das hohe Ziel der Philosophie ist die Befriedigung des metaphysischen Bedürfnisses des Menschen
> P I 160; G 122. Das Bedürfnis nach Philosophie in heutiger Zeit beruht einerseits auf den Fortschritten der Naturwissenschaften, andererseits auf den immer mehr Überhand nehmenden Unglauben > N X ff.; G 122, W I 55 f.
- Durch die Philosophie von Kant, die Fortschritte der Naturwissenschaften und die Bekannt- schaft mit den Indischen Religionen haben die Grundüberzeugungen der Gelehrten in den letzten fünfzig Jahren (also in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts) eine Umwandlung erlitten
> E 112; W I XII.
- Die wahre Philosophie ist der reine Dienst der Wahrheit; sie darf keine weitere Verpflichtung haben
> W I 607; W II 183, 209; N XV, XXVI, 6, 146; P I 23, 168, 206. Die Philosophie ist die Tochter der Vernunft und künftige Mutter der Wahrheit > E 85.
- Deutlichkeit ist in der Philosophie eine unerlässliche Bedingung
> P I 11; G 3.
- Die Philosophie ist eine Wiederholung, gleichsam Abspiegelung der Welt in abstrakten Begriffen
> W I 99, 312, 453, 108. Die Philosophie ist bemüht, den Begriff aus der Anschauung zu bereichern > W II 80. Begriffe sind das Material der Philosophie: sie soll nicht a u s Begriffen, sondern i n Begriffen arbeiten > W II 90, 48. Die Philosophie ist nicht, wie Kant sie definiert, eine Wissenschaft a u s Begriffen, sondern i n Begriffen > W I 537; W II 48, 90, 199, 204; P I 85; P II 9. Nur die Beweisführung ist es, welche von bloßen Begriffen ausgeht > P I 85; W II 199.
- Jedes echte Philosophieren muss zu seinem innersten Kern irgend eine anschauliche Auffassung haben. Die Begründung der philosophischen Wahrheiten ist eine unmittelbare, auf Anschauung beruhende; Beweise können nicht ihr Fundament sein
G 104; W I 97, 99; W II 199 ff., 432 f.; P II 8 f., 18, 51, 451. Bisweilen können einzelne Ergebnisse des Philosophierens so ausfallen, dass sie sich bloß rein begrifflich denken, nicht aber durch irgend eine Anschauung belegen lassen. Dies sind nur halbe Erkenntnisse, mit denen man sich nur, wenn man an den Grenzen der Erkenntnis angelangt ist, begnügen soll > W II 92 f., 315.
- Es ist ein großer Fehler, bei der Philosophie von fertigen Begriffen auszugehen. Das meiste Philosophieren besteht im Vergleichen von Begriffen mit Begriffen; es ist ein Missbrauch allgemeiner Begriffe, wenn man mittelst ihrer über die Anschauung hinaus in eine andere Welt gelangen will
> G 99, 93, 105, 154; W I 321, 603, 617; W II 46 ff., 68 f., 76 f., 79, 90 ff., 96, 115, 159, 199, 313, 712; P I 165, 171 f., 177; P II 9, 50. Eine Philosophie aus bloßen Begriffen würde eigentlich unternehmen, aus bloßen Abstraktionen herauszubringen, was in den Anschauungen nicht zu finden ist > W II 90. Das Operieren mit weiten Abstraktionen war zu allen Zeiten die Hauptquelle der Irrtümer des dogmatischen Philosophierens > P II 93;
- Die Philosophie ist kein Algebra-Exempel
> P II 9; W II 46 f., 79, 96 (76). Wenn alle Lehren einer Philosophie bloß eine aus der anderen und zuletzt gar aus einem ersten Satze abgeleitet sind, so muss sie arm und langweilig sein, weil sie nur entwickelt, was in den Grundsätzen schon ausgesagt ist > W II 207; P I 141; (W I VII f., 337). Fortsetzung folgt!
|