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Arthur Schopenhauer : Optimismus und Leid

Und dieser Welt, diesem Tummelplatz gequälter und geängstigter Wesen, welche nur dadurch bestehen können, dass eines das andere verzehrt, wo daher jedes reißende Tier das lebendige Grab tausend anderer und seine Selbsterhaltung eine Kette von Martertoden ist, ... dieser Welt hat man das System des Optimismus anpassen und sie uns als die beste unter den möglichen andemonstrieren wollen. Die Absurdität ist schreiend.
                                                                                                              Arthur Schopenhauer ( W II 667)

Die Philosophie Schopenhauers geht wie der > Buddhismus davon aus, dass das Leid ein Wesensmerkmal dieser Welt ist und bleiben wird. Dementsprechend teilten der Buddha und Arthur  Schopenhauer nicht den weit verbreiteten Optimismus, der meint, die Welt sei grundsätzlich gut und werde immer besser, wenn man nur entschieden genug - z. B. in politischen Organisationen - darum kämpfen würde.

Hingegen erkannten Buddha und Schopenhauer, dass das  Leid dieser Welt nicht bloß in irgendwelchen gesellschaftlichen und politischen Gegebenheiten begründet ist. Die wirkliche Ursache allen Leides  war für den Buddha das > Begehren , für Schopenhauer der > Wille. Beide, Buddha und Schopenhauer , waren aber davon überzeugt, dass das Begehren  bzw. der Wille zur Ruhe kommen kann. In diesem Sinne waren sie, wie bereits erwähnt, durchaus optimistisch. Es ist aber ein anderer  Optimismus als der, welcher trotz aller furchtbaren geschichtlichen Erfahrungen immer noch daran glaubt, dass es dem  Menschen möglich sei, diese Welt mehr oder weniger in ein Paradies auf Erden zu verwandeln. 

Schopenhauer lehrte - anders als etwa Hegel und Marx - keine optimistische Geschichts- philosophie. Dennoch gab und gibt die Philosophie Schopenhauers vielen Menschen wahren Trost. Das mag wohl auch daran liegen, dass Arthur Schopenhauer keinem oberflächlichen Optimismus, der oft in Enttäuschung endet, huldigte. Seine Philosophie orientiert sich nicht an Utopien, sondern, obwohl metaphysisch tief gegründet, an den Realitäten des Lebens, wobei dessen negative Seite nicht ausgeklammert wird. Denn wie könnte ein Arzt helfen, der Krankheiten übersieht, nur um Optimismus verbreiten zu können?  
                                                                                                                                                     hb

Zitathinweise (aus Wagners > Schopenhauer - Register, Stichwort Optimismus )

  • Der Optimismus nimmt die Welt als vollkommen real und setzt den Zweck derselben in das armselige Erdenglück; er verlangt ein künftiges Leben, damit die Herrlichkeit nicht so schnell ein Ende nehme.
    > W II 507, 671, 729; P II 405, 416, 326 f., 599; P I 433; N 133.
     
  • Der Optimismus zeigt, wie schön die Welt anzusehen sei.
    > W II 667.
     
  • Wer die Spieler, die auf der Weltbühne agieren, mit ihren Leiden betrachtet, wird nicht disponiert sein, Hallelujahs anzustimmen.
    > W II 667; W I 383.
     
  • Der Optimismus ist eine absurde, ja ruchlose Denkungsart und ein bitterer Hohn auf die Leiden der Menschheit.*
    > W I 384 f.; W II 667 ff.
     
  • Den Optimisten ist die Welt Selbstzweck und daher an sich selbst ganz vortrefflich eingerichtet.
    > P II 275; W II 187, 507, 665.
     
  • Der Optimismus ist in den Religionen wie in der Philosophie  ein Grundirrtum, der aller Wahrheit den Weg vertritt.
    > W II 719, 190, 205; P II 14.
    Der Optimismus darf, als obligat, in keinem philosophischen System fehlen; denn die Welt will hören, dass sie löblich und vortrefflich sei.
    > N 143; P II 322, 332; P I 78; W II 707, 740.
     
  • Leibnitz ist der Begründer des systematischen Optimismus.
    > W II 668, 671.
    Den Beweisen, dass die Welt die beste unter den möglichen sei, lässt sich der Beweis entgegen- stellen, dass sie die schlechteste unter den möglichen sei.
    > W II 669 f., 667.
     
  • Der Optimismus ist im Grunde das unberechtigte Selbstlob des eigentlichen Urhebers der Welt.
    > W II 671. 

Anmerkung
*  Wenn man, ganz im Sinne Schopenhauers, auch das unermessliche Leiden der Tiere bedenkt, die ja, besonders bei
    den weiterentwickelten Arten, Wesen sind, die - den Menschen durchaus vergleichbar -  Leid empfinden, dann
    dürfte obige Aussage noch verständlicher werden. (S. hierzu auch Arthur Schopenhauer über die > Tiere .)     

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