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Zur Lebensphilosophie von Arthur Schopenhauer

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Welt - Wille - Vorstellung

 

Bereits der Titel des Hauptwerks von Arthur Schopenhauer “Die Welt als Wille und Vorstellung” enthält die beiden zentralen Begriffe seiner Philosophie, nämlich “Wille” und “Vorstellung”. Schopenhauers Werk beginnt mit der fundamentalen Feststellung:

 Die Welt ist meine Vorstellung -” - dies ist die Wahrheit, welche in Beziehung auf  jedes lebende und erkennende Wesen gilt... (1)

Was Schopenhauer hier als “Wahrheit” bezeichnet ist jedoch für den “normalen” Menschen durchaus nicht selbstverständlich. Dieser glaubt vielmehr, dass das, was er sieht, hört oder sonst mit seinen Sinnesorganen von der Welt wahrnimmt, die volle Realität sei. Jedoch schon der altgriechi- sche Philosoph Platon wusste, dass wir die Welt nicht so sehen, wie sie ist.(2) Kant, von dessen Philosophie Schopenhauer ausging, wies darauf hin, dass wir ein Ding nicht so sehen würden, wie es “an sich” ist, sondern nur so, wie es uns “erscheint”. Das “Ding an sich” könnten wir nicht erkennen.

So war es für Schopenhauer eine Tatsache, dass wir die Welt nur so sehen, wie wir sie uns vorstellen, ja dass sie für uns “nur als Vorstellung da ist”!  Wenn die Welt aber “Vorstellung” ist, dann muss es auch einen “Vorstellenden” geben. Dementsprechend ist nach Schopenhauer “alles, was für die Erkenntniß da ist, also die ganze Welt, nur Objekt in Beziehung auf das Subjekt ist, Anschauung des Anschauenden, mit Einem Wort, Vorstellung”. 

Schopenhauer hielt diese Aussage für eine “Grundwahrheit”, die schon “früh von den Weisen Indiens” erkannt worden sei, wobei er sich auf folgendes Zitat aus einer wissenschaftlichen Abhandlung  in den “Asiatic Researches”  (hier nur die deutsche Übersetzung) berief:

Das Grunddogma der Vedantaschule bestand nicht im Ableugnen des Daseyns der Materie...(welche zu leugnen Wahnsinn wäre), sondern in der Berichtigung des gewöhnlichen Begriffs derselben, durch die Behauptung, daß sie kein von der erkennenden Auffassung unabhängiges  Daseyn habe; indem Daseyn und Wahrnehmbarkeit Wechselbegriffe seien. (3)

Die Welt ist unsere Vorstellung - diese Aussage ist zwar eine Wahrheit, aber ist sie die ganze  Wahrheit?  Ist die Welt nur eine bloße Vorstellung oder gibt es etwas, was  hinter der Vorstellung steht und wenn ja, was?  Schopenhauer beantwortet diese Fragen, indem er die vorgenannte Aussage entscheidend und für seine Philosophie fundamental ergänzt:

durch eine Wahrheit, welche nicht so unmittelbar gewiß ist, wie die, von der wir hier ausgehn (Die Welt ist Vorstellung); sondern zu welcher nur tiefere Forschung, schwierige Abstraktion, Trennung von Verschiedenen und Vereinigung von Identischen führen kann, -  durch eine Wahrheit, welche sehr ernst und Jedem, wo nicht furchtbar, doch bedenklich seyn muß, nämlich diese, daß eben auch er sagen kann und sagen muß: “Die Welt ist mein Wille.” (4)
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> André Gide und Arthur Schopenhauers “Die Welt als Wille und Vorstellung”

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(1) Arthur Schopenhauer, Die Welt als Wille und Vorstellung I, Züricher Ausgabe, §1, S.29.
(2) Hierzu sei nur auf das berühmte Höhlengleichnis (im “Staat”, 7. Buch) verwiesen.
(3) Arthur Schopenhauer, a.a.O., S. 30.
(4) Ebd.
                                                                                                                                                                       hb  

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