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Zur Lebensphilosophie von Arthur Schopenhauer

Das Leid als Ausgangspunkt einer Lebensphilosophie

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Lebensphilosophie setzt Lebenserfahrung voraus. Eine solche Erfahrung, die später seine Philosophie zutiefst prägen sollte, hatte Arthur Schopenhauer bereits in jungen Jahren:

 In meinem 17. Jahre, ohne alle gelehrte Schulbildung, wurde ich vom Jammer des Lebens so ergriffen, wie Buddha in seiner Jugend, als er Krankheit, Alter, Schmerz und Tod erblickte. Die Wahrheit, welche laut und deutlich aus der Welt sprach, überwand bald die auch mir eingeprägten jüdischen Dogmen, und mein Resultat war, daß diese Welt kein Werk eines allgütigen Wesens sein könnte, wohl aber das eines Teufels, der Geschöpfe ins Dasein gerufen, um am Anblick ihrer Qual sich zu weiden: darauf deuteten die Data, und der Glaube, daß es so sei, gewann die Oberhand.  (1)

Schopenhauers Vergleich mit dem Buddha ist durchaus angebracht. Auch in der Lehre des Buddha ist die Erfahrung des Leides von zentraler Bedeutung. Die Vier Edlen Wahrheiten des Buddha beginnen mit der Wahrheit vom Leiden. Ohne deren Erkenntnis sind die buddhistische Lehre wie auch die Philosophie Schopenhauers nicht in ihrer vollen Bedeutung zu verstehen. Schopenhauers Philosophie und, noch deutlicher, der Buddhismus sind in ihrem Kern Erlösungslehren, was voraussetzt, dass diese Welt als leidvoll erkannt wird.

Eindrucksvoll, wie kaum ein anderer in deutscher Sprache, hat Schopenhauer das Leid der Welt beschrieben:

    Wenn man den verstocktesten Optimisten durch die Krankenhospitäler, Lazarette und chirurgischen Marterkammern, durch die Gefängnisse, Folterkammern und Sklavenställe, über Schlachtfelder und Gerichtsstätten führen, dann alle die finstern Behausungen des Elends, wo es  sich vor den Blicken kalter Neugierde verkriecht, ihm öffnen und zum Schluß ihn in den Hunger- turm des Ugolino blicken lassen wollte, so würde sicherlich auch er zuletzt einsehn, welcher Art
...(diese beste aller Welten) ist. Woher denn anders hat Dante den Stoff zu seiner Hölle genommen als aus dieser unserer wirklichen Welt?
(2)

Dem Einwand, dass das Leben nicht nur Leid, sondern auch Glück bieten kann, begegnete Schopenhauer mit dem Zitat von Petrarca Tausend Genüsse sind nicht eine Qual wert , und er fügt hinzu:

Denn, daß Tausende in Glück und Wonne gelebt hätten, höbe ja nie die Angst und Todesmarter eines Einzelnen auf: und eben so wenig macht mein gegenwärtiges Wohlsein meine früheren Leiden ungeschehn. Wenn daher des Übeln auch hundert Mal weniger auf der Welt wäre, als der Fall ist: so wäre dennoch das bloße Dasein desselben hinreichend, eine Wahrheit zu begründen, welche sich auf verschiedene Weise, wiewohl immer nur etwas indirekt ausdrücken läßt, nämlich, daß wir über das Dasein dieser Welt uns nicht zu freuen, vielmehr zu betrüben haben;. - daß ihr Nichtsein ihrem Dasein vorzuziehen wäre. (3)

Schopenhauer begnügte sich jedoch nicht damit, nur das Elend dieser Welt zu beklagen, sondern er fragte - wie der Buddha - nach dessen Ursachen.
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Anmerkungen

(1) HN IV (1), S. 96

(2) W I (§ 59), S. 406

(3) W II (Kap. 46), S. 674 f.

                     

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