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Arthur Schopenhauer : Einsamkeit

Der wahre, tiefe Friede des Herzens und die vollkommene Gemütsruhe, dieses, nächst der Gesundheit,  höchste irdische Gut (ist) allein in der Einsamkeit zu finden.
                                       Arthur Schopenhauer , Aphorismen zur Lebensweisheit (P I, S. 448)

Leben wir in einer Epoche der Einsamkeit ? - fragte die Berliner Zeitung in ihrem Wochenend- magazin vom 12./13. Mai 2012. Hierzu verwies sie auf die Studie einer amerikanischen Rentner- vereinigung, wonach 35 % aller Menschen über 45 chronisch einsam seien. Einsamkeit im Alter, so meinte der Zeitungsbericht, scheine  “unausweichlich” zu sein. Kein Zweifel: Einsamkeit ist ein Problem, das immer mehr Menschen bedrückt und so aktueller denn je ist! 

Arthur Schopenhauer, der keine eigene Familie hatte und ziemlich zurückgezogen lebte, hatte sich schon vor mehr als 150 Jahren  mit dem Thema Einsamkeit intensiv auseinandergesetzt. Jedoch sah er - wie das obige Schopenhauer-Zitat zeigt - in der Einsamkeit etwas durchaus Positives, was auch die folgenden “Zitathinweise” bestätigen: 

Zitathinweise (aus Wagners  > Schopenhauer - Register , Stichwort Einsamkeit )

  • Nur in der Einsamkeit kann jeder ganz er selbst sein; in ihr allein ist Freiheit.
    >
    P I 446, 448.
    In der Einsamkeit zeigt sich, was jeder an sich selbst hat.
    >
    P I 337, 349.
    Wer viel an sich selber hat, bleibt am liebsten allein.
    >
    P I 448; P II 689.
    Einsamkeit ist eine Quelle des Glücks und der Gemütsruhe; sie ertragen zu lernen, sollte ein Hauptstudium der Jugend sein.
    >
    P I 448.
    Wer zeitig die Einsamkeit lieb gewinnt, hat eine Goldmine erworben; aber dies vermag nicht jeder.
    >
    P I 452.
    Geistesruhe ist nur in der Einsamkeit zu finden; dies beruht hauptsächlich darauf, dass wir in derselben der steten Berücksichtigung der Meinung der andern von uns entzogen und uns selbst zurückgegeben sind.
    >
    P I 379, 451 f.
    Einsamkeit gewährt dem intellektuell hochstehenden Menschen einen zweifachen Vorteil:
    erstens den, mit sich selber zu sein, und zweitens den, nicht mit andern zu sein.
    >
    P I 451.
    Jeder liebt oder hasst nach Maßgabe seines inneren Wertes die Einsamkeit. In ihr fühlt der Jämmerliche seine ganze Jämmerlichkeit und der große Geist seine ganze Größe; da seufzt der Tropf im Purpur unter der Last seiner armseligen Individualität, während der Hochbegabte die ödeste Umgebung mit seinen Gedanken belebt.
    >
    P I 349, 446, 453, 514.
     
  • Einsamkeit ist das Los aller hervorragenden Geister.
    >
    P I 455, 514; W I 271.
    Die Neigung zur Einsamkeit nimmt mit den Jahren zu.
    >
    P I 452 f.
    Im Alter wird sie ganz leicht ertragen, besonders wenn man an ihr eine Jugendfreundin erkennt.
    >
    P I 455 f.
    Liebe zu Einsamkeit ist nicht als ursprünglicher Hang da, sondern entsteht erst in Folge der Erfahrung und des Nachdenkens, namentlich der Einsicht in die moralisch und intellektuell
    elende Beschaffenheit der Menschen.
    >
    P I 452 f.
     
  • Der größte Nachteil der Einsamkeit ist, dass unser Gemüt so empfindlich wird, dass wir durch
    die unbedeutendsten Vorfälle und Worte beunruhigt oder gekränkt werden
    >
    P I 457.

Ein geistreicher Mensch hat, in gänzlicher Einsamkeit, an seinen eigenen Gedanken und Phantasien vortreffliche Unterhaltung ...
                                                                   Arthur Schopenhauer,  Aphorismen zur Lebensweisheit (P I, S. 337)

Anmerkung

Arthur Schopenhauer bezeichnete sich und seine Anhänger als “Buddhaisten”. Wie nahe er dem > Buddhismus stand, zeigt sich auch daran, dass Schopenhauer wie mehr als 2000 Jahre vor ihm der Buddha den großen spirituellen Wert der  Einsamkeit hervorhob. Helmuth von Glaseapp schrieb dazu in seinem Buch “Die Weisheit des Buddha” (Wiesbaden, o. J., S. 127): “In der starken Hervorhebung der Meditation tritt ein bezeichnender Wesenszug des Buddhismus hervor. Er verlangt von seinen Bekennern, daß sie die Einsamkeit ertragen können und sich eingehend mit sich selbst beschäftigen. Der Buddhist unterscheidet sich in dieser Hinsicht nicht nur vom modernen Massenmenschen, der dauernd von außen Ablenkung und Anregung sucht, sondern auch vom Theisten, der auch in den Stunden der stillen Betrachtung nicht allein ist, sondern sich mit seinem Gott verbunden fühlt, auch wenn er nicht im Gebet mit ihm Zwiesprache hält. Mit Recht hat Buddha deshalb gesagt: ´ Nur für den Einsamen eignet sich diese (meine) Lehre, nicht für den, der an der Geselligkeit seine Freude hat ` (Ang.-Nik. 8,30).
                                                                                                                                                                                         HB

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